Die Inka-Hauptstadt
Als legendäres Zentrum des großen Inkareiches wurde Cuzco von den Spaniern zunächst geplündert und anschließend wieder aufgebaut. Heute ist Cuzco die archäologische Hauptstadt Amerikas und eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der westlichen Hemisphäre. Auf Grund ihrer Lage als Mittelpunkt des Tawantinsuyu ist die Stadt Cuzco gemeinhin bekannt als Nabel der Welt und hat ihre einstige dominante Stellung im Inkareich gegen ihren neu erworbenen Ruhm als touristische Hauptstadt Perus eingetauscht. 1983 wurde Cuzco von der UNESCO zur Welterbestätte ernannt und empfängt jährlich bis zu eine Million Besucher, angelockt von seiner Geschichte, den Inka-Ruinen und der spanischen Kolonialarchitektur.
Die Legende besagt, dass Manco Capac, der erste Inkaherrscher, von seinem Vater, dem Sonnengott Inti, angewiesen wurde, einen Sonnentempel an dem Ort zu errichten, an dem er einen goldenen Stab in die Erde stoßen könne. So gründete Manco Capac die Stadt Cuzco im 11. oder 12. Jahrhundert, wobei jedoch ihre ruhmreiche Verwandlung in die prachtvolle Hauptstadt des Inkareiches erst später unter dem neunten Inkaherrscher namens Pachacuti stattfand. Pachacuti vergrößerte das Reich mittels ehrgeiziger Feldzüge und verwandelte Cuzco in ein strukturiertes Stadtzentrum mit spezifischen religiösen und administrativen Aufgaben. Er ließ einige der schönsten Gebäude der Stadt errichten, darunter auch den Coricancha-Tempel und einen an die Plaza de Armas angrenzenden Palast, und gab der Stadt die Form eines Berglöwen. Cuzco hat vier Stadtteile, die die vier Provinzen des Tawantinsuyu repräsentieren, und von denen je eine Straße zu seinem jeweiligen Gebiet führt. Jeder lokale Herrscher war dazu verpflichtet, ein Haus in dem Viertel der Stadt zu bauen, das seiner Provinz entsprach, und verbrachte dort einen Teil des Jahres.
1533 entdeckte Francisco Pizarro die Stadt, eroberte sie und plünderte all ihre Silber- und Gold-Reichtümer. Er errichtete 1534 eine Stadtverwaltung, verlegte jedoch im darauf folgenden Jahr seinen Hauptsitz nach Lima an die Küste, was die Bedeutung Cuzcos schmälerte. Die Stadt wurde dann 1536 von Manco Inca, einem von Pizarro ein paar Jahre zuvor gekrönten, jedoch lediglich als Marionette betrachteten Herrscher, belagert, welcher so versuchte, die Spanier mit einer Armee von über einhunderttausend Inkasoldaten zu vertreiben. Die Spanier wurden nahezu ausgerottet, konnten jedoch dennoch Manco Inca zum Rückzug zwingen, Cuzco zurückerobern und erneut ansiedeln. Daraufhin wurde eine neue spanische Stadt auf den alten Inka-Grundmauern Cuzcos erbaut und viele Tempel und Paläste der Inka wurden abgerissen, um Kirchen und Herrenhäusern Platz zu machen. Als Kolonie florierten Cuzcos Landwirtschaft, Rinderzucht, Bergbau und der Handel mit Spanien; viele neue Gebäude wurden errichtet, darunter auch eine Kathedrale, zahlreiche Kirchen und Klöster, eine Universität und ein Erzbistum. In den folgenden Jahren wurde die Stadt zum Zentrum künstlerischen Schaffens und wurde 1650 und 1950 von zwei starken Erdbeben erschüttert. Seit Ankunft der Spanier verwandelte jedoch kein anderes Ereignis die Stadt so sehr wie die Wiederentdeckung Machu Picchus 1911, welche ihre Wiedergeburt als Perus führendes Reiseziel bewirkte.
Cuzco bietet eine Reihe architektonisch bedeutender Strukturen, wobei die Coricancha und Sacsayhuamán die Bekanntesten sind. Als der Sonne und den Schöpfungsgöttern Inti und Viracocha geweihter Inkatempel wurde die Coricancha auf heiligem Boden im Mittelpunkt eines Observatoriums errichtet. Die Coricancha ist mit hunderten Gold- und Silberplatten überzogen und macht somit ihrem Namen alle Ehre, denn Coricancha ist Quechua und heißt „goldener Hof“. Zudem setzte der Inkaherrscher in Zeremonien goldene Statuetten aus Maispflanzen in ihre Terrassengärten. Dem Tempel wird nachgesagt, „unglaublich fantastisch“ gewesen zu sein, jedoch wurde ein Großteil seines Goldes konfisziert, um Atahualpas Loskauf zu garantieren. Die Spanier erbauten die Kathedrale Santo Domingo auf den Grundmauern dieses Tempels und einige der Inka-Steinmauern können immer noch im Original bewundert werden. Die Inkas waren Meister im Steinmetzen und ihre mörtellosen Mauern mit den in unregelmäßigen Formen genau zugeschnittenen Steinen haben zerstörerische Erdbeben überlebt im Gegensatz zu vielen Kolonialbauten. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist der zwölfeckige Stein in der Mauer der Straße Hatun Rumiyoc.
Sacsayhuamán ist ein weiteres hervorragendes Beispiel für das Mauerwerk der Inka. Diese gewaltige Festung wurde auf einem Hügel erbaut, von dem aus man auf Cuzco herabblickt. Man sagt, sie bilde optisch den Kopf und die Krallen der Berglöwenform der Stadt. Viele der Steine ihrer massiven Mauern und Zinnen sind gewaltige Felsbrocken und wie diese von den Inkas transportiert werden konnten, bleibt ein Geheimnis. Sacsayhuamán birgt ein Netz unterirdischer Gänge und einen aus solidem Stein gemeißelten Thron, auf dem einst die Inkaherrscher saßen.
Abgesehen von der Kathedrale lädt Cuzco seine Besucher dazu ein, noch drei weitere faszinierende Kolonialkirchen zu entdecken. Die Kirche Iglesia del Triunfo wurde neben der Kathedrale über der Waffenkammer der Inkas errichtet; dort suchten die Spanier Zuflucht während Manco Incas Belagerung und wurden wie durch ein Wunder gerettet, als das Feuer im Strohdach einfach erlosch. Am südöstlichen Ende der Plaza de Armas liegt die Kirche La Compañía de Jesús mit ihrer prachtvollen barocken Fassade und den Glockentürmen. Eine Straßenecke weiter befindet sich die Kirche La Merced, die Grabstätte von Gonzalo Pizarro und der Almagros, wo Besucher einen Blick auf eine massive mit Edelsteinen verzierte Goldmonstranz werfen und eine Sammlung religiöser Gemälde sehen können.
Heute formt Cuzco das Herz einer dicht besiedelten landwirtschaftlichen Region, in der Getreide und Kartoffeln geerntet und Schafe, Alpakas und Lamas gezüchtet werden. Die Stadt liegt in einem breiten Andental im Südosten Perus fast 3500 km über dem Meeresspiegel und hat ein kaltes, trockenes Klima. Während zu ihren Hauptindustrien die Produktion von Kleidung, Teppichen, Wandteppichen, feiner Metallarbeit und Bier gehört, dreht sich das Stadtleben fast ausschließlich um Tourismus. Cuzco ist eine pulsierende Stadt mit vielen offenen Märkten, Häusern aus Lehmziegeln und Pflasterstraßen, in denen noch viele Menschen Quechua, die Sprache der Inkas, sprechen. Im Laufe des Jahres gibt es zahlreiche Festivitäten, wobei das Bedeutendste Inti Raymi ist, das einwöchige Fest der Wintersonnenwende, das heute die zweitgrößte Festivität Lateinamerikas darstellt.
